Frank
Schöller, als kaufmännischer Geschäftsführer
seit gerade mal sechs Monaten in Amt und Wür-den, hat guten
Grund, sich über diesen ersten persönlichen Erfolg zu
freuen. Standen als Partner im Wettbewerb doch so „starke
Geschütze“ wie der Energie-Riese ENBW und die ebenfalls
größere FAIRENERGIE Reutlingen mit Albstadt im Wettbewerb
um die künftige Betriebsführung eines Versor-gungsbereiches
in einer Gemeinde. Aus dieser Tatsache allein lässt sich bereits
ablesen, dass die Bedeutung des Aktes weit über die materiellen
Aspekte hinausgeht.
„Unser Ziel ist es, ein kompetenter und fairer Dienstleister
für unsere Kunden zu sein“, markiert Frank Schöller
die klar ausgewiesene Zielsetzung der Albstadtwerke GmbH. Eine
maßvolle und gezielte Expansion dessen, was der Versorger
im Angebot hat, ist da unerlässlich. Und dazu gehören
eben nicht nur die bisher fünf Betriebsbereiche Strom, Gas,
Wasser, Wärme und Bäder sondern die mit deren Betrieb
verbundene Kompetenz als qualifizierter Partner.
„Wir können und wollen den Gemeinden, die von der Größe
her mit der Aufrechterhaltung einer rei-bungslosen Energie- und
Wasserversorgung aus Kostengründen überfordert sind,
ein lukratives und interessantes Angebot machen, indem wir unser
Knowhow und unsere Produkte zur Verfügung stel-len.“
Detlev Vogel weiß als Geschäftsführer Technik
sehr gut einzuschätzen, von was er spricht. Denn bereits
vor 15 Jahren hat Albstadt mit der Übernahme der Gasversorgung
Gammertingen, Bitz und Winterlingen und der Gründung entsprechender
Gesellschaften die Kapazität in den Versorgungsbe-reichen
erweitert.
Heute ist man ein mittelständisches Unternehmen mit 200 Mitarbeitern
und in der glücklichen Lage, die umfangreiche Kernkompetenz
in allen Bereichen auch gegen klingende Münze zu „exportieren“.
Und zwar mit einem flexibel angepassten, genau auf den Kundenwunsch
zugeschnittenen „Maßan-zug“.
Im Falle Stetten a. k. M. ist dies nun Pflege, Wartung und Erweiterung
eines Wasserversorgungsnet-zes von insgesamt 42 Kilometern Länge
und 5400 Zählern für insgesamt 5400 Einwohner in der
Kerngemeinde Stetten und den Ortsteilen Frohnstetten, Unter- und
Oberglashütte, Nusplingen, Stor-zingen. Und das heißt
eben Rundum-Betreuung vom Hausanschluss bis zur Rechnungslegung
und 24-Stunden-Störungstelefon. Alles inbegriffen außer
der Lieferung des Wassers selbst. Das nämlich kommt von der
Hohenberggruppe. „Wir wollen die Albstadtwerke weiter entwickeln
und glauben, dass wir mit unserem Beispiel auch die Stadt weiterbringen“
– beide Geschäftsführer sind sich einig darin,
dass sie die Chancen des seit 1998 geöffneten europaweiten
Energiemarktes für ihre Kunden und sich selbst bestmöglich
nutzen wollen, werden und können. „Und zwar in allen
unseren Betriebsberei-chen. Um unsere eigene Selbständigkeit
zu erhalten und/aber auch zugunsten der in unserem Akti-ons-Spielraum
gelegenen Gemeinden.“
Diese unternehmerische Zielsetzung ist gar nicht so selbstverständlich.
Denn diese Chancen, die europaweit vor fünf Jahren beim Sprung
vom Monopol in den Markt eröffnet worden sind, konnten nur
wenige Energieversorger – zumal nicht die „Kleinen
vom Lande“ – so gut nutzen wie dies offensicht-lich
in Albstadt gelungen ist. „Rund 70 Prozent aller vergleichbaren
Stadtwerke mussten sich der wirtschaftlichen Allmacht eines Größeren
beugen und ihre Selbständigkeit aufgeben“, verweist
Detlev Vogel auf den zweifellos nicht einfachen Kampf ums souveräne
Überleben. Der aber muss jeden Tag neu gewonnen werden. Und
da darf man den Kopf nicht in den Sand stecken und vergangenen
„schöneren“ Zeiten nachtrauern, als alles nach
vertrautem und gewohnten Muster zuging. Die Geschäftsführung
der Albstadtwerke macht allerdings nicht den Eindruck, als ob
sie zu Letztgenannten gehört.
Zeitungsbericht Zollernalb Kurier vom 06.01.2003